Erster Eindruck | Viltrox 23 F1.4

Seit dem 27.05.2020 befindet sich ein neues Objektiv in meinem Besitz, es handelt sich um das Viltrox 23mm F1.4 STM ED IF. Letztes Wochenende konnte ich ein wenig mehr mit diesem Objektiv an der X-Pro 3 machen und möchte euch nun über meine ersten Erfahrungen sprechen.

I | Allgemeines

Das Viltrox 23 F1.4 ist eine leichte Weitwinkel Festbrennweite und entspricht vom ungefähr einem 35 mm Objektiv an Vollformat und wurde für das FujiFilm XF Bajonett entwickelt. Viltrox kündigte dieses Objektiv zusammen mit dem 33er und 50er Mitte 2019 an. Die Veröffentlichung verzögerte sich jedoch bis Anfang Mai 2020. 

Seit der Ankündigung war ich gespannt auf dieses Objektiv, da es erst der Zweite Dritthersteller ist der Autofokus Objektive für das X-Bajonett von FujiFilm entwickelt. Der erste war übrigens Zeiss mit der Touit Serie, welche aber in enger Zusammenarbeite mit Fuji entstand. Schon 2019 war klar das diese Objektive einen günstigen Preis bekommen werden, im offiziellen Viltrox Store bekommt man es schon für 290€, ohne die Zollkosten. Viltrox kennzeichnet das Paket auch mit einem Wert von 15$ um einen die Zollkosten zu ersparen, ich wollte mich darauf nicht einlassen und so kamen mit DHL-Zuschlag und Besteuerung noch ca. 80€ hinzu, also grob 380€ als Gesamtpreis. Mittlerweile ist das Objektiv auch auf Amazon Deutschland zum schönen Preis von 349€ verfügbar. Somit ist es fast um 1/3 günstiger als das originale FujiFilm XF 23 F1.4, aber ist es wirklich so ein “No-Brainer” wie es sich vom Preis anhört?

Als aller erstes will ich die technischen Daten aus dem Weg schaffen, deswegen gibts die hier als Tabelle:

Elemente10/11
Maximale Öffnung1.4
Kleinste Öffnung16
Blendenlamellen9
Filterdurchmesser52mm
FokusmechanismusIntern
Naheinstellgrenze

0,3m

Gewicht

260g

II | Verarbeitung

Das Objektiv kommt in einer kleinen weißen Box, welche nicht viel Größer ist als das Objektiv selbst. Beim rausheben aus der Box war ich zunächst überrascht wie schwer es doch ist für diese kompakte Größe, was allerdings bei einer Blende von F1.4 und einer Konstruktion komplett aus Metall auch kein Wunder ist. Die nächste angenehme Überraschung war das selbst die Gegenlichtblende komplett aus Metall gefertigt ist, selbst die Premium Objektive von FujiFilm bieten das nicht und auch die Zeiss Touit Serie kommt nur mit Plastik daher. Auch sonst ist das Objektiv topp verarbeitet, leider bietet es aber keine Versiegelung für Wasser- und Staubschutz. Der Ring für den manuellen Fokus ist angenehm breit und dreht sich schön geschmeidig. Das gilt auch für den Blendenring welcher leider stopless ist, das bedeutet das er nicht bei jedem F-stop einrastet, sondern einfach bis Blende 16 durchgedreht werden kann ohne Geräusche von sich zu geben. Erst beim Umstellen von F16 auf den A-Modus rastet er ein. Das mag fürs Filmen wahrscheinlich schön sein, aber mich stört es beim Fotografieren eher, da ich kein haptisches Feedback bekomme und sich so die Blende leicht verstellen kann. Ansonsten kann man bei der Verarbeitung wirklich nicht meckern, vor allem wenn man dann noch den Preis berücksichtigt.

Allerdings gibt es noch einen größeren Kritikpunkt in Verwendung mit einer X-Pro3, dazu komme ich dann aber später noch einmal, da diesen Punkt nicht nur Viltrox verschuldet hat.

ProContra

Metallkonstruktion

Kein einrastender Blendenring

Gegenlichtblende aus Metall

X-Pro 3 Problematik
Kompakt gebaut 
Blendenring kann auf A-Modus eingestellt werden 

III | Der Autofokus

Leider hatte ich derzeit eher statische Objekte vor der Linse und kann so noch kein komplettes Fazit zum Autofokus ziehen. Bisher war er aber sehr zuverlässig und zügig, zumindest wenn es an der X-Pro 3 angeschlossen war. An meiner X-H1 merkt man halt einfach die ältere Sensor- und Prozessorgeneration. Ein großer Vorteil im Gegensatz zum FujiFilm 23 F1.4 ist, dass der Autofokus mucksmäuschenstill ist. Die Objektive von Fuji mit Blenden von 1.x gehören halt noch zur ersten Generation von Objektiven die FujiFilm baute und haben somit einen etwas lahmeren, aber vor allem lauten Autofokus. Durch die Genration an Kameras mit X-Trans III Sensoren und aufwärts hat aber auch die Geschwindigkeit einen ordentlichen Boost erhalten. Laut sind die Dinge aber immer noch :D.

Die minimale Naheinstellgrenze ist leider nicht so gut wie ich es vom XF 16 F1.4, Zeiss Touit 12 F2.8 oder dem XF 16-80 F4 WR kenne. Das ist jetzt nicht so dramatisch und das muss auch nicht jedes Objektiv können, wäre aber “nice-to-have” gewesen. Hier habt ihr mal ein Beispiel der Naheinstellgrenze.

ProContra
Sehr leiseNaheinstellgrenze könnte besser sein
Treffsicher 
  
  
Entfernung Motiv - Kamera | Naheinstellgrenze
Das Endresultat des Aufbaus vom linken Bild | Naheinstellgrenze

IV | Bokeh, Bildqualität, Vingette

So nun komme ich zum wahrscheinlich wichtigsten Abschnitt dieses Berichts: Der Bildqualität. Der beste Autofokus oder die beste Verarbeitung nützt ja auch nix, wenn das Bild im Nachhinein unscharf oder ähnliches ist. 

Zum Anfang möchte ich kurz über das Bokeh reden, also den Teil des Bildes der am Ende Unscharf ist/sein soll. Das können wir auch ganz kurz machen: mir gefällt es so weit ganz gut. Klar hat es nicht die softness eines 56er auf Blende 1.2 oder des 16er auf 1.4. Es gibt Motive auf welchen es manchmal ein wenig unruhig wirkt, aber insgesamt ist es doch schön anzusehen.

Kommen wir nun zur Bildqualität, also Schärfe und Kontrast. Ich muss ehrlich gesagt gestehen das ich die meisten Bilder mit dem Objektiv am vergangenen Wochenende in Leipzig gemacht hatte. Dort habe ich aber nur in JPEG fotografiert mit meinem eigenen JPEG-Rezept, welches einen relativ starken Boost im “Klarheitsregler” hat. Das Bild der Blume oben, wurde allerdings in RAW fotografiert und nicht bearbeitet, ist also im “Originalzustand”. Ich werde zu diesem Objektiv auch noch mal einen vollständigen Testbericht liefern, dafür brauche ich aber einfach noch ein bisschen mehr Zeit mit diesem Objektiv. Als solches bin ich aber schon durchaus zufrieden was die Schärfe, Farben und den Kontrast angeht.

Kommen wir nun zur Vignette. Diese ist offenblendig natürlich stark vertreten und bessert sich je mehr man abblendet. Ich habe hier für euch mal eine kleine Vergleichsreihe erstellt (bei welcher ihr natürlich auch den Schärfeabfall beobachten könnt), welche in RAW aufgenommen wurde und anschließen in JPEG umgewandelt wurde:

Die Vignettierung stört mich bei Offenblende nicht wirklich, da ich das bei Portraits und co. eh gerne mag. Bei Landschaftsaufnahmen blendet man ja sowieso weiter ab und ab Blende F5.6 ist die Vignette auch nicht mehr schlimm, ab F8 ist sie ganz weg. Für Astroaufnahmen, bei welchen ja die Offenblende von Vorteil wäre, würde ich das Objektiv wegen seiner Brennweite nicht nutzen.

V | Die X-Pro 3 Problematik

Kommen wir nun zu einem Thema, welches wenig erfreulich ist und welches in den gängigen Fuji-Foren schon zu langen Diskussionen führte. Diese gingen von “HA! das habt ihr davon wenn ihr Billig-China-Glas kauft”, über “Ich mag das wenn die Kamera hier und da nen Kratzer hat” zu “Alles Fujis Schuld, da sieht man mal wie fehlkonzipiert diese Kamera ist.”. 

Was ist denn überhaupt das Problem? Nun, wenn man das Objektiv an die X-Pro3 schraubt, dann kratzt es ein wenig den Lack vom “Lens-Release-Button” ab. Der Knopf/Schalter bleibt funktional und es handelt sich auch nur um den Kreis darum. Das passiert dadurch das FujiFilm bei der X-Pro3 diesen Knopf näher an die Kamera gerückt hat.

Meine Meinung dazu ist das dass vor allem Fuji’s schuld ist. Viltrox ist hier in eine ungünstige Situation gelaufen, da die Entwicklung des Objektives ja schon im Gange war bevor die X-Pro3 in die Läden kam, somit konnte Viltrox das Objektiv auch nicht an der X-Pro3 testen. Diese Problematik betrifft übrigens auch das 85er und das 33er von Viltrox und besteht NICHT an anderen FujiFilm Kameras. Bevor ich das Thema weiter behandle, zeige ich euch 2 Bilder, welche die Problematik gut zeigt:

Objektiv kratzt am Knopfring
Der silberne Streifen zeigt das dort der Lack abgekratzt wurde

Zum Abschluss dieser Problematik möchte ich noch kurz anmerken das dieses Problem nicht nur die Objektive von Viltrox betrifft. In der Facebook Gruppe für X-Pro Benutzer von fujirumors.com vermehrten sich auch Berichte das das Mitakon 35 F0.95 oder auch diverse Objektivadapter diese “Problematik” haben. Wenn ihr also eine X-Pro3 verwendet solltet ihr euch scheinbar vor jedem Objektiv- oder Adapterkauf genau Acht geben ob diese Kratzer dort dann auch auftreten. Kommt natürlich auch darauf an wie wichtig euch das Ganze ist, ich persönlich kann diesen kleinen Mangel verkraften.

VI | Fazit und Beispielbilder

Sooooo, nun wird es Zeit für ein kleines Vorabfazit nach den ersten 2 Wochen der Nutzung. Die bisherigen Touren mit dem Objektiv haben schonmal Lust auf mehr gemacht und bisher bereue ich den Kauf dieses Objektives in keinster Weise. Ich denke das das eine perfekte Alternative zum 23er von FujiFilm ist. Für knapp 1/3 des Preises gibts hier ein richtig gutes Gesamtpaket und ich denke das meine bisherigen Eindrücke schon für eine Empfehlung sprechen. Besonders beeindruckt hat mich die Konstruktion aus Metall und der leise Autofokus.

Nichtsdestotrotz werde ich in Zukunft noch einen Nachfolgeartikel veröffentlichen mit mehr Infos zum AF und der Bildqualität. Solltet ihr noch Fragen zum Objektiv haben, so könnt ihr diese gerne als Kommentar unter diesem Beitrag dalassen oder mir in Social Media schreiben. Ich hoffe der Beitrag konnte euch bei eurer Entscheidung helfen und zum Abschluss gibt es hier noch ein paar Bilder welche alle mit dem Viltrox entstanden sind. 

Danke fürs Lesen, Gut Licht euch allen und bis zum nächsten Mal ✌️

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